Gesetzliche Krankenkassen · Privat · Selbstzahler
Wenn der Tag voll war — und das Wichtige trotzdem liegen geblieben ist.
Wenn kleine Dinge sich anfühlen wie große.
Wenn man funktioniert, aber nicht mehr dabei ist.
Dann liegt das seltener am Willen, als es sich anfühlt.
Öfter an einer Dynamik, die wegführt — von sich, und von dem, was wichtig ist.
Und daran lässt sich arbeiten.
Gemeinsam herausfinden, was mich gerade im Griff hat — und was in meiner Hand liegt.
So entsteht zwischen Belastung und Reaktion wieder Raum.
Oft nicht um die Aufgabe selbst — sondern um die Frage, worauf ich Einfluss habe und worauf nicht.
So, dass es auch in einer müden Woche noch trägt.
Erschöpfung, Depressionen, Ängste, Stressfolgen — und manchmal steckt dahinter ein ADHS, ohne dass man es je vermutet hätte.
Mein Tätigkeitsschwerpunkt: ADHS im Erwachsenenalter. Behandlung — Diagnostik in begrenztem Umfang.
Wer ohne Verdacht kommt, ist genauso richtig: Ob es eine Rolle spielt, zeigt sich in der Arbeit — nicht am Türschild.
ADHS zeigt besonders klar, was auch bei Stress, Angst oder Erschöpfung geschieht: „Ich will, aber schaffe es nicht." Deshalb erkläre ich meine Arbeitsweise an diesem Beispiel.
Die Steuererklärung liegt seit Wochen da. Heute soll es endlich klappen.
„Halb wach, der Kopf ist zäh."
„Schon der Ordner macht Druck."
„Zu angespannt, um reinzukommen."
„Ich weiß, dass es mich ablenkt — deshalb nur fünf Minuten."
„Habe ich die schon genommen?"
„So brauche ich es gar nicht erst zu versuchen — halb gemacht ist schlimmer als gar nicht."
„Wasser ins Gesicht, ein paar tiefe Atemzüge, eine sensorische Pause — langsam wird es wieder ruhig und klar."
„Nicht die Steuer ist das Problem — es ist die alte Angst, wieder zu versagen. Ausgerechnet an etwas, das angeblich jeder hinkriegt."
„Auch halbkonzentriert einen ersten Schritt machen — einen, der sich spürbar lohnt."
Eine Diagnose mit hoher Sicherheit entsteht, wenn über mehrere Sitzungen unabhängige Quellen dasselbe Muster zeigen — der Lebensverlauf, Zeugnisse und frühere Unterlagen, Menschen, die Sie lange kennen: beginnend in der Kindheit · bis heute · mit sichtbaren Folgen in mehreren Lebensbereichen
Das gilt auch, wenn jemand vieles „gut" auffängt — solange es sichtbar viel kostet: Daueraufwand, äußere Stützen, Erschöpfung hinter der Fassade.
Schauen Sie deshalb vor dem Anruf, was es gibt: Grundschulzeugnisse (die Verhaltensbemerkungen sagen oft mehr als die Noten), frühere Befunde. Und überlegen Sie, wer Sie als Kind erlebt hat und erzählen würde — der eigenen Erinnerung ist wenig zu trauen: Was man immer hatte, fällt einem nicht als Symptom auf.
Mein Schwerpunkt bleibt die Behandlung — ob eine Klärung bei mir sinnvoll ist, sage ich Ihnen offen am Telefon. Auch „keine ADHS" ist ein hilfreiches Ergebnis: Was belastet, hat dann einen anderen Namen und ist oft trotzdem behandelbar.
Ich arbeite zustandsbasiert: an der Selbstregulation unter Belastung. ADHS macht den Mechanismus besonders sichtbar. Im Zentrum: Zustand, Verfügbarkeit exekutiver Funktionen, Implementierungslücke und alltagsnahe Intervention.
Die fünf Faktoren — Schlaf, Emotion, Arousal, Reizlage, Medikation — sind Determinanten des Körperbudgets. Der vermittelnde Zustand ist der core affect im Sinne Lisa Feldman Barretts; er moderiert, wie viel Bedeutung und Exekutivfunktion gerade verfügbar sind.
Ein aktiviertes System reagiert — es versteht nicht.
Distress-Toleranz und Grounding (DBT, TIPP), abgestimmt auf das individuelle sensorische Profil.
Korrektur des affektiven Realismus: Fehlattribution interozeptiver Signale (Barrett). Funktionale Klärung, worauf Einfluss besteht.
Cope Ahead (DBT), Implementierungsintentionen (Gollwitzer), ADHS-spezifische Implementierung nach Ramsay.
Arbeitsmodell: Emotionsdysregulation als zentraler Mediator der EF-Verfügbarkeit. Schlaf und Zirkadianität als eigene diagnostische und therapeutische Achse. Medikation — wo indiziert — als neurobiologisches Boden-Niveau.
Trianguliert, lebensspannen- und funktionsorientiert — nicht testzentriert. ADHS als Störung exekutiver Selbststeuerung (Barkley-nah): nicht primär der Aufmerksamkeit, sondern der Fähigkeit, Verhalten über Zeit zielgerichtet zu halten.
Gewichtung der Quellen — in dieser Reihenfolge:
Zwei Schwellen, separat geprüft — Beeinträchtigung nicht aus der Symptomschilderung abgeleitet, sondern unabhängig belegt: Verlaufsdaten, Dokumente, Fremdbericht.
Symptomatik — Kindheitsbeginn, Persistenz, mehrere Lebensbereiche
funktionelle Beeinträchtigung
Ohne Beeinträchtigung keine tragfähige Diagnose.
Diskrepanzen werden interpretiert, nicht verrechnet — gute äußere Funktion bei hohem innerem Aufwand. Unauffällige Oberfläche ist kein Rule-out.
Differentialdiagnostisch laufen Depression, Traumafolgen, Angst, Bipolarität, Schlaf, Autismus-Spektrum, Lernstörungen, Substanzgebrauch und somatische Ursachen mit — entscheidend ist, ob eine andere Störung das Bild besser erklärt.
ADHS ist kein Score, sondern ein über Zeit, Kontext und Funktion validiertes Muster gestörter Selbststeuerung.
Ohne tragfähige Fremd- und Verlaufsinformationen steigt die Unsicherheit — die übliche Mehrsitzungsdiagnostik reicht dann mitunter nicht aus.
Befundsicherheit entsteht in einzelnen Fällen erst im Behandlungsverlauf. Das bindet diagnostische Slots und gegebenenfalls Behandlungsplätze.
Jonas Schmaling
Diplom-Psychologe · Master of Advanced Studies in Psychotherapie (Universität Bern) · Approbation als Psychologischer Psychotherapeut (Verhaltenstherapie)
Niedergelassen seit 2017 · zuvor u. a. LVR-Universitätsklinikum Essen, Klinikum Arnsberg-Neheim
Kontinuierliche Fortbildung zu Diagnostik und Behandlung der ADHS im Erwachsenenalter
Mitglied: ADHS Deutschland e. V. · Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie
Verheiratet, Vater
Mo & Do 11:30–11:55 Uhr · Di & Fr 12:35–13:00 Uhr
In diesen Zeiten sprechen Sie direkt mit mir. Bin ich gerade im Gespräch, läuft nur eine Ansage — nichts wird aufgezeichnet. Ein zweiter Anlauf ist völlig normal.
Das erste Telefonat ist kurz: Sie schildern Ihr Anliegen, ich sage, was möglich ist und wie es weitergehen kann.
Wer innerhalb der Telefonzeiten anruft, den versuche ich im Lauf des Tages zurückzurufen. Ein Rückruf ist keine zugesagte Leistung — verlässlich sind allein die Telefonzeiten.
Abrechnung über gesetzliche Krankenkassen, privat oder als Selbstzahler.
Aufnahmekapazität derzeit eingeschränkt.
— Wenn Sie zu einem Termin kommenDie Praxis liegt in der Kamener Innenstadt, Kämertorstr. 1, 59174 Kamen. Termine werden ausschließlich telefonisch vereinbart — ein spontanes Vorbeikommen ist nicht vorgesehen.
Planen Sie zu Ihrem Termin bitte etwas Zeit für die Parkplatzsuche ein. An Markttagen — dienstags und freitags — ist in der Innenstadt mehr los; kalkulieren Sie dann ruhig ein paar Minuten mehr.
Kolleg:innen und Zuweisende: derselbe Weg, innerhalb der Telefonzeiten. Rückruf erfolgt.
Die kurze Fassung meiner Arbeitsweise lautet: Spielraum gewinnen, Passung herstellen, Alltag ermöglichen. Hier ist etwas genauer beschrieben, was damit gemeint ist.
Es geht dabei nicht darum, Menschen noch mehr anzustrengen. Viele wissen bereits, was ihnen guttun würde. Schwierig wird es oft an der Stelle, an der Müdigkeit, Druck, Ablenkung, innere Unruhe oder alte Muster stärker sind als der gute Vorsatz.
Deshalb arbeite ich nicht nur mit Einsicht, sondern auch mit Bedingungen: mit klaren Abläufen, kleinen Entlastungen, äußeren Ankern und Lösungen, die auch dann noch greifen, wenn es gerade nicht leicht ist.
Viele Vorhaben scheitern nicht daran, dass sie falsch waren. Sie scheitern daran, dass sie genau dann entschieden werden müssen, wenn die Kraft dafür am geringsten ist. Darum ist es oft hilfreich, wichtige Entscheidungen vorzubereiten, bevor der schwierige Moment kommt.
Beispiel: Wer abends immer wieder zu lange am Handy bleibt, braucht nicht jeden Abend neu mit sich zu verhandeln. Hilfreicher kann ein fester Ort außerhalb des Schlafzimmers sein, an dem das Handy ab einer bestimmten Uhrzeit liegt.
Ein Vorsatz kann richtig sein und trotzdem zu leise bleiben. Eine äußere Form macht ihn sichtbar: ein Kalendertermin, ein vorbereiteter Platz, ein Wecker, ein Zettel, eine Tasche, ein fester Ablauf. Dadurch muss nicht alles im Kopf behalten werden.
Beispiel: Aus „Ich will morgens ruhiger starten" wird: Die Tasche steht abends bereit, der Schlüssel liegt immer am selben Ort, und die erste Handlung am Morgen ist klar.
Manchmal ist es leichter, wenn etwas gar nicht zur Wahl steht. So endet das innere Verhandeln, bevor es beginnt. Besonders bei Stress, ADHS, innerer Unruhe oder Erschöpfung kann es entlastend sein, wenn bestimmte Reize oder Zugänge zeitweise nicht verfügbar sind.
Beispiel: Wenn Arbeitsgerät, Handy oder E-Mail-Zugang zu bestimmten Zeiten nicht erreichbar sind, entsteht manchmal mehr Ruhe als durch den Versuch, sie ständig bewusst zu ignorieren.
Viele Schwierigkeiten entstehen an den Übergängen: anfangen, aufhören, umschalten, heimkommen, schlafen gehen. Diese Momente werden leicht unterschätzt. Gerade dort helfen kleine, klare Formen.
Beispiel: Nach der Arbeit erst eine kurze Pause, Bewegung, Atmung oder ein fester Abschluss-Satz: „Für heute ist genug." Die nächste Aufgabe darf warten, bis der Übergang gemacht ist.
Schlaf beeinflusst Aufmerksamkeit, Geduld, Stimmung, Impulse und Entscheidungsfähigkeit. Wenn Schlaf dauerhaft zu kurz kommt, werden viele andere Probleme schwerer. Deshalb kann Schlafschutz ein wichtiger Teil therapeutischer Arbeit sein.
Beispiel: Statt abends noch ein neues Problem zu lösen, wird eine klare Grenze gesetzt: keine neuen Themen mehr, Geräte weg, der nächste Tag bekommt wieder eine Chance.
Große Vorsätze klingen gut, sind aber unter Belastung oft zu schwer. Kleine Systeme sind weniger beeindruckend, aber tragfähiger. Entscheidend ist, ob eine Lösung in einer müden Woche noch benutzt wird — ein Plan, der nur an guten Tagen funktioniert, ist noch kein guter Plan.
Beispiel: Nicht „Ich organisiere mein ganzes Leben neu" — sondern „Ich lege heute Abend nur die eine Sache bereit, die morgen nicht fehlen darf."
Therapie soll nicht aus Menschen optimierte Versionen ihrer selbst machen. Sie soll helfen, wichtige Dinge wieder erreichbarer zu machen: Gesundheit, Beziehung, Arbeit, Ruhe, Verantwortung, Entwicklung oder Selbstachtung. Dafür braucht es manchmal Verstehen, manchmal Übung, manchmal Schutz — und oft eine passendere Umgebung.
Beispiel: Wenn jemand mehr Ruhe, mehr Schlaf oder mehr Zeit mit wichtigen Menschen möchte, wird nicht nur gefragt: „Warum klappt das nicht?" Sondern auch: „Welche Bedingungen müssten entstehen, damit es wahrscheinlicher gelingt?"